Geschichte des Hoher Hagen
 
Der Hohe Hagen
Der Hohe Hagen ist ein Berg im Stadtwald von Dransfeld, etwa 3km südlich des Ortskerns. Er erreichte anfänglich eine Höhe von 508m, verliert aber etwa 1963 durch den Basaltabbau seine Kuppe, worauf er im Jahr 2015 nur noch eine Höhe von rund 493m erreicht.

Der Berg entsteht durch Vulkanismus im Jung-Tertiär, also vor etwa 12-15 Mio.Jahren. Hierbei durchbricht das Basalt-Magma die dort abgelagerten Flächen aus Quarzsanden, die im Oligozän vor etwa 34-24 Mio.Jahren dort abgelagert wurden und überdeckt sie. Nach dem Abbau des Basaltgesteins tritt der Sand wieder sichtbar hervor und ist auf etlichen der gezeigten Bilder dargestellt. Die Farbe des Quarzsandes ist im reinen Zustand durchscheinend. Je nach den Spurenelementen die in seinem Kristallgitter eingebaut sind leuchtet er allerdings in den Farben weiß, grau, gelb, rot, blau, grün, braun oder schwarz.
 
 
1960: Der Hohe Hagen. sein Balaststeinbruch, die Gaußtürme und der Giesekestein
 
Auf dem Hohen Hagen treffen bis 1987 unterschiedliche wirtschaftliche Erwägungen aufeinander. Als höchster Berg Südniedersachsens ist er ein Ziel für Touristen was der Besuch von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1801 unterstreicht und durch die Messungen des Göttinger Professors Carl Friedrich Gauß in den Jahren 1821-1825 unterstützt wird. Andererseits besteht der Vulkankegel des Bergs aus Basaltgestein, der im Straßenbau nachgefragt ist. Beide Eigenschaften sind willkommene Einnahmequellen für die Stadt Dransfeld, zu deren Gemeindegebiet der Hohe Hagen gehört. Im Gedenken an Carl Friedrich Gauß wird 1909 vom Verschönerungsverein der Stadt mit dem Bau eines Gaußturms begonnen, in dessen Folge, zur Bewirtung des Touristenstroms, 1912-1913 zudem ein Berggasthaus entsteht. Bis zum Beginn der 1960iger Jahre hindern sich der 1825 begonnene Basaltsteinabbau und der Tourismus nicht. Dann allerdings hat sich der Steinbruch so dicht an die beiden touristischen Einrichtungen 'herangearbeitet', dass durch Spengarbeiten im Steinbruch, der Gaußturm baulich so nachhaltig geschädigt wird, dass er geschlossen werden muss. Durch weitere Sprengarbeiten stürtzt er im Jahr 1963 in sich zusammen. Es wird berichtet, dass durch die Sprengarbeiten auch in die Luft geschleuderte Steine auf das Berggasthaus heruntergefallen sind, so dass auch hier der Betrieb aufgegeben werden muß.
Um den Tourismus zu retten wird im Jahr 1964, unweit des alten Gaußturms ein neuer Turm errichtet. Im Volksmund wird er nach dem Geschäftsführer des Steinbruchs als 'Kochsche Röhre' bezeichnet. Er besitzt zwar eine Plattform für ein 'Panoramarestaurat' sowie eine Aussichtsplattform, kann aber nicht mehr an den Erfolg des alten Turms anschließen. 1971 wird der Abbau von Basalt im Steinbruch eingestellt und 1987 auch der Verkauf des freigelegten Quarzsandes. Die Betriebseinrichtungen werden abgerissen und es wird versucht die Steilhänge durch Gesteinsbruch zu sichern. Dann erfolgt eine Aufforstung, die den ehemaligen Steinbruch zunehmend verdeckt, .. und so sind die gezeigten Bilder Zeugnisse einer vergangenen Zeit.
Kurzer geschichtlicher Überblick
 
1801
Am 14. August 1801 besucht Johann Wolfgang von Goethe den Hohen Hagen, .. von dem man augenscheinlich noch ungehindert von Bäumen eines Waldes, in das Umland hinausblicken kann.
 
1825 / 1826
Erstmalig dokumentierter Abbau von Basaltsteinen am Hohen Hagen.
 
1821-1825
Im Rahmen der von Carl Friedrich Gauß zwischen 1821 und 1825 per Triangulation durchgeführten Landesvermessung des Königreichs Hannover bis hinauf nach Altona (damals dänisch), nutzt Gauß den Hohen Hagen als seinen ersten Dreieckspunkt für das „große Dreieck“ Hoher Hagen - Brocken - Großer Inselsberg. Dieses Dreieck mit den Seitenlängen 68 km (Hoher Hagen - Brocken), 84 km (Hoher Hagen - Großer Inselberg) und 106 km (Brocken - Großer Inselberg) ist die Basis bei der Verknüpfung zahlreicher weiterer Vermessungsdreiecke.
 
1856
Das letzte Teilstück der Hannoverschen Südbahn, Göttingen-Dransfeld-Hann Münden wird in Betrieb genommen. Ihr Bau steigert den Bedarf von Basaltschotter. Im Jahr 1925 entsteht die Bahnanbindung des Steinbruchs zu einem Verladesilos in der Dehne durch eine Lorenbahn.
 
1906-1911
Am 29.04.1906 beschließt der Dransfelder Verschönerungsverein auf dem Hohen Hagen einen Aussichtsturm zu Ehren von Carl Friedrich Gauß zu bauen. Der Turm wird durch Spendengelder finanziert. Die größten Spender sind Kaiser Wilhelm II, der 4.000 Goldmark aus der Staatsschatulle überweist und der aus Jünde stammende und in Berlin wohnende Ministerialdirektor August Gieseke, der zunächt 100, dann 3.500 Mark beisteuert. Die Grundsteinlegung des Turms findet am 29.07.1909 statt und am 31.07.1911 folgt seine Einweihung. Er ist 35m hoch, womit die Aussichtsplattform in einer Höhe von 540m über NN liegt. 1961 wird das Bauwerk aufgrund von Sprengarbeiten im benachbarten Basaltsteinbruch stark geschädigt und am 14.11.1963 stürzt er in sich zusammen.
 
1912-1913
In den Jahren 1912-1913 wird der Berggasthof auf dem Hohen Hagen gebaut. Sein Besitzer ist bis 1964 die Familie Wilhelm Bühre. Er besitzt in seinem Gastraum den ersten Fernseher von Dransfeld, auf dem die Besucher die Fußballweltmeisterschaft 1954 mitverfolgen können. Nach 1964 übernimmt das Basaltwerk den Gasthof und verpachtet ihn an diverse Betreiber. Seit 1982 wird das Haus als Schullandheim genutzt.
 
1925
Die Loren-Seilbahn vom Hohen Hagen zum Verladesilo an der Bahnstrecke Göttingen-Dransfeld-Hann Münden wird in Betrieb genommen und ersetzt die Pferdefuhrwerke, die bis dahin den Basaltbruch transportiert haben.
 
1939-1945
15 bis 20 französische Kriegsgefangene müssen im Steinbruch arbeiten und wohnen, wie folgend die deutschen Kriegsgefangenen, in Baracken auf dessen Betriebsgelände.
 
1945
25 britische Kriegsgefangene aus dem Stammlager Adelebsen arbeiten im Steinbruch. Sie werden Ende 1946 dort abgezogen. In den Nachkriegsjahren werden der Gaußturm und der Berggasthof zu einem beliebten Ziel des Sonntagsausflugs.
 
1961
Am 19.10.1961 führen Sprengarbeiten im Steinbruch zu einer nachhaltigen Beschädigungen des Gaußturms von 1911. Er wird für den Besucherverkehr geschlossen ..
1963
.. um am 14.11.1963 nach weiteren Sprengarbeiten in sich zusammenzustürzen.
 
1964
Nachdem der Alte Gaußturm nicht mehr steht, wird in seiner Nähe der 51m hohe Neue Gaußturm aus Stahlbeton, errichtet. Er wird im Oktober 1964 fertiggestellt. Seine Aussichtsplattform erreicht eine Höhe von 528m über NN. Eine zweite Plattform 14m über dem Boden bleibt zunächst ungenutzt. Sie soll zu einem Panoramarestaurant werden. Zudem entsteht neben dem Turm ein Sechkantgebäude, in welches das Gausmuseum einziehen soll.
Das Haus des Gausmuseums ist schlecht isoliert, so dass die Ausstellungsstücke feucht werden. So muss sein Betrieb nach kurzer Zeit geschlossen berden.
Auch das Panoramarestaurant ist eine Fehlplanung. Es kann bis 1989 seinen Betrieb nicht aufnehmen, da es nach den Bauauflagen einen zweiten Zugang, bzw. Fluchtweg benötigt. Dieser wird erst in dem besagten Jahr, durch einen Erdhaufen mit einer Brücke zum Restaurant verwirklicht.
 
1969
Abbau der Seilbahn vom Hohen Hagen zum Verladesilo an der Bahnstrecke Göttingen-Dransfeld-Hann Münden. Der Basaltbruch wird noch eine Zeit mit Lastwagen zur dortigen Asphaltfabrik (Kemna Bau) gefahren.
 
1971
Einstellung des Basaltabbaus am Hohen Hagen und beginnender Abriß der Betriebsanlagen.
 
1977
Das Panoramarestaurant im Neuen Gaußturm erhält seine erste Rundumverglasung. Allerdings vergehen weitere 12 Jahre bis dort ein Betrieb möglich wird.
 
1982
Der 1964 vom Basaltwerk übernommene ehemalige Berggasthof Bühre steht nach mehreren Jaher Leerstand zur Versteigerung an und wird zu einem Schullandheim.
 
1987
Einstellung des Abbaus von Quarzsand am Hohen Hagen, der als 'Kasseler Meeressand' angebotenen wird.
 
1989
Der Steinbruch wird folgend mit Abraum angefüllt, der beim Bau der Eisenbahn- Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Würzburg anfällt. Mit dem Gesteinsbruch aus Muschelkalk werden auch seine steilen Hänge stabilisiert. Zudem entsteht ein 14m hoher Erdhügel von dem aus eine Brücke zum immer noch nicht betriebsbereiten Panoramarestaurant am Turm führt.
Im Steinbruch folgt eine Aufforstung mit Bäumen, die inzwischen einen jungen Wald bilden, sowie die Einrichtung eines Geologie-Lehrpfads durch den Dransfelder Verschönerungsverein.
 
2010
Im Beton des Neuen Gaußturms werden Haarrisse entdeckt, die nur oberflächlich sein sollen und keine Gefahr darstellen.
 
2015
Sowohl die Aussichtsplattform, das Panoramarestaurant und das Gaussmuseum sind ungenutzt.
Der Betreiber des Restaurants hat festgestellt, dass dessen Betrieb unwirtschaftlich sei, der Schlüssel zum Besuch der Aussichtsplattform kann beim Dransfelder Verschönerungsverein angefordert werden.
 
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